Deutsche Sprache > Bente Varlemann - Zwischen | Dockville 2013

Zwischen Süßholzraspeln und „Wo gehobelt wird, da fallen Späne"

Zwischen „Mensch-ärgere- dich -nicht" und Menschenwürde

Zwischen Fallen und Zwischenfällen Da versuch ich mich zu positionieren. Trage

meine Faust manchmal versteckt in meiner Jackentasche. Trage einen Antifa- Button auf

meiner Tasche. Trage meine Sicht der Dinge in

meinem Kopf und in meinem Körper. Ersteres setze ich kaum ein, denn oft fehlt mir der

Mut. Denn oft rede ich zu viel und meine, dass Reden noch was bringen würde, was es

viel zu oft nicht tut. Zweites nehm ich ab, wenn

ich alleine bin und deswegen Angst habe, angegriffen werden zu können. Und dann frage

ich mich, wenn neben mir ein Nazi, klar erkennbar an seiner Thor Steinar Tasche, sitzt,

warum ich nicht immer offen tragen und sagen und tun kann, was ich denke. Wie sehr

ich eigentlich hinter dem stehe, was ich doch in einem „sicheren" Umfeld sage. Und, dass

ein Button so leicht abzunehmen ist, aber Menschen ihre Haut, ihr Aussehen nicht ablegen

können. Da weiß ich dann, dass ich mich nicht nur

in dem einen Widerspruch befinde. Denn drittens, ist es genau das, was es trifft. Innen drin,

da ist ganz viel klar, da gibt es für mich kein nettes

Dazwischen, da will ich nicht mit Menschen sprechen, die diskriminierend sind. Und dann,

außerhalb von meinem Kopf, tu ich´s manchmal trotzdem. Wegen der Arbeit, wegen der

Leute, wegen dem Geld, wegen der Angst. Ich würd auch gern entspannter leben, ohne

dauernd nachzudenken, ohne die andauernden Fragen, ohne den ständigen Wechsel

zwischen Wut und Ohnmacht. Ich würd auch gern keine Unterschiede bemerken und

unbewusst machen und mich nicht dauernd selber hinterfragen.

Zwischen Reißwolf und Rassismus Zwischen Meinungsfreiheit und keinen Fußbreit

den Faschisten Zwischen Reiselust und Abschiebung

Da bin ich mittendrin im linksherum Durchdrehen. Denn in der Mitte will ich nicht sein,

solange ich´s verhindern kann. Denn ich begreif´s nicht, dass das eine eine linke Tour sein

soll, aber anscheinend alles auf dem rechten Wege passiert. Was soll die Scheiße mit

„Rechtsstaat", wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihrer

linkspolitischen Einstellung verletzt und getötet werden und Polizisten nur für unter

12 Monaten auf Bewährung verurteilt werden,

weil sie sonst ihren Beamtenstatus verlieren. Was soll die Scheiße mit den Nazis in der

Mitte, also was soll das mit „Alternative für

Deutschland", mit den rechten „Frei.Wild", was soll das mit „Hier ist kein Platz für

Geflüchtete.", was soll das mit den Scheißsatz: „Wir schicken niemanden mit der Post

zurück, dafür gibt es schließlich Flugzeuge.", was soll die falsche Aussage: „In Deutschland

haben wir kein Rassismus/Heterosexismus- Problem", was soll das mit der ständigen Lüge

„Dies ist ein Friedenseinsatz der Bundeswehr." Alles nebensächlich, wird viel zu oft gesagt.

Alles nicht so schlimm, wird viel zu oft gesagt. Uns geht's doch eigentlich ganz gut, wird

viel zu oft gesagt. Zwischen den Widersprüchen und den eigenen

Ansprüchen Zwischen dagegen kämpfen und in mir eingeschrieben

sein Zwischen Rückschritt und Frontkick

Da hab ich ein Leben, mit Konto, Pass, einer Wohnung, Essen im Kühlschrank, ich bin

privilegiert, gehe manchmal zur Uni, als weiß konstruiert, gefühlt und gesehen, eine Frau,

ein Mensch. Ich habe oft Angst, was kommen wird, was aus mir wird, obwohl ich schon

immer ich bin. Mach mir Druck, der doch allgegenwärtig ist. Den ich mir mache, weil das

System den macht. Der mich nachts nichts schlafen lässt, egal wie viel ich trinke oder kiffe.

Ich soll ja was leisten, damit ich mir was verdient habe. Ich muss ja was können, was

gesellschaftlich anerkannt ist, damit ich wertgeschätzt werde. Ich soll mich ja nicht

beschweren, denn ich kann ja alles schaffen, wenn ich das nur will. Soll ich ja auch. Ich

muss ja was werden, damit ich was sein kann. Zwischen Lider schließen und Lieder grölen

Zwischen Alkohol und Alerta Antifacista Steht ein: Kein vergeben, Kein vergessen

Steht ein: Nein heißt Nein, besser noch: Ja heißt Ja

Steht eine Faust, ein Ellenbogen, ein Mittelfuckfinger Steht ein: Es ist hiermit noch nicht getan

Zwischen den Zeilen steht ein: Lass uns auf die Straße gehen

steht ein: Lass uns machen, was wir machen können

Steht ein: Es ist nicht zu spät Es ist nie zu früh

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